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Es war ein Mal, das glückliche Wir.

ich malte Dir ein Bild,
ich bildete mit Dir ein Band,
ich band Dir ein Heftpflaster um,
ich pflasterte Dir einen Weg,
der aus Gold Deinen Namen tragen sollte,
auf dem ich immer spazierte,
und ich zierte Dich mit hübschen Gedanken,
ich werd Dir immer danken,
für die schönen Augenblicke,
aber ich blicke in eine Zukunft,
ohne Deine Augen.
Wir lagen im Bett,
hundertstundenlang,
ich verlangte nichts mehr,
und nichtig war der Rest,
alles erübrigte sich.
und sichtete ich Dich,
dichtete ich Herz auf Schmerz.
Wir zogen zusammen,
wir siedelten together.
Wir dachten:
wir machen uns für uns schön,
wir machen´s uns schön,
wir verschönern alles, und uns, für uns.
wir, wir renovieren!
Wir putzen erst alles,
dann verputzen wir die Wohnung neu, dann uns,
ich bau uns eine Spüle,
ich spüle für uns ab,
wir spielen zusammen,
Ich schreiner einen Tisch, für uns,
auf dem tischst Du was für uns auf,
ich kaufe ein, Du einigst das Gemüse;
zu einem Auflauf, für uns und gegen das Gemüse!
Ich lauf schnell zur Videothek,
während Du die Kerzen aufstellst, für uns,
und für Dirty Dancing und Fackeln im Sturm!
Wir lieben uns.
In unserer gemeinsamen Wohnung.
Im Herbst sammeln wir Blätter, für die Wohnung,
wir entblättern uns dann gemeinsam, für uns.
Aber jetzt liege ich nackt wach und warte, weil ich nicht schlafen kann, bis Du nach Hause kommst, und blicke auf die Uhr, stell mich aber schlafend, und denke, was ist passiert, das ist doch krank.
Und komme ich heim, dann sitzt du in unserer Küche, neben der Spüle, in der Küche, in der keiner mehr was spielt, und Du liest Illustrierte, und du hast dieses grüne Teil an, in dessen Ausschnitt ich mich immer verlier, und ich sage, hey bella, und du sagst, wo warst du? Und ich sag, im Deli, und ich sag, komm doch her und nimm meine Hand, und du sagst, nein, ich muß morgen früh raus, du bist betrunken und auch, Du stinkst nach rauch.
Danke sag ich, aber ich rieche nach fahlem Dunsthauch, ich sag, ich rieche nach Asche, die kommt aus napoli, die kommt aus dem Land der schönen Vokale, und dahin geh ich jetzt auch wieder, ins Land der EndVokale, ins Deli, nach Napoli, ins Coloseo, ins Trauma, in die nächstbeste Kneipe zu Whisky, Grappa und Ouzo und zu Arno, zu Britta, und charly, daisy, enrico, franka, gitte, hanna, imke, josi oder zu irgendeinem anderen Beau.


Und ich gehe raus, über die Lindenstraße zur Brücke.
Und ich denk, es ist der 8. Dezember 1985, der 5.te Todestag von John Lennon, 18:40 und gerade läuft die erste Folge Lindenstraße, ich bin 8 Jahre alt.
1091 Sendungen, 21 Jahre, 23 Hochzeiten, 10 Scheidungen, 41 Seitensprüngen und viele viele Todesfällen später, denk ich, wenn es nicht mal die im Fernsehen schaffen, nur ein, ein einziges glückliches Paar zu konstruieren, vielleicht, ja, vielleicht gibt es das einfach nicht mehr.
Vielleicht, ja, vielleicht gibt es das einfach nicht mehr.
Ich kenne tausend wege, glücklich zu werden, aber keinen einzigen glücklich zu bleiben.
Wo ist da die Lindenstraße in dem linden Wellenschlagen, Herr Eichendorff?

Und ich geh zurück, und sag,
Mach doch mal nen Schritt zu anderen Seite,
Geh nur einen schritt zu seite,
geh nur einen, einen schritt zur Seite,
Guck mal aus dem Fenster, das ist die Straße, guck mal an die Wand,
dahinter ist das Bad, guck mich mal an, das bin ich,
guck mal hinter Dich, da ist die Küche,
guck um Dich herum und Du glaubst, Alles gesehen zu haben,
aber Dich, Dich hast Du nicht gesehen.
Nein, dich siehst Du nie, warum auch, ich guck doch aus mir raus, sagst Du, reicht das denn nicht, reicht das denn nicht, wenn ich aus mir rausgucke?

Ja, was denn? Ist schon schwer genug hier, jetzt soll das nicht mehr reichen?, sagst Du
Kokolores, sag ich.
Dann geh ich halt einen Schritt zur Seite, dann geh ich eben auf die Straße, dann seh ich mir die Leute an, ich seh sie alle, die Leute, überall laufen die Leute, und tragen Sachen mit sich rum, Schuhe und Hosen, und Mützen und Taschen, und Geschenke, und ich denk mir, bei Gott, wer soll bloß all diese Geschenke bekommen. Die Lieben daheim?
Und ich guck sie mir an, die Leute, und die Leute gucken mich an,
und ich hab keine Geschenke.
Und weil die Leute mich angucken, seh ich mich, ich muß da sein, weil sie mich ja angucken, und sie sind ja auch da, die Leute, mit ihren Geschenken für ihre Lieben, weil ich sie angucke, ich mach die augen zu und da, da bin nur noch ich.
Ich, bin da, auf der Straße, mit den Leute, die Sachen tragen, und ich seh nur noch mich, weil mich keiner mehr sieht, weil ich keinen mehr sehe, und so sieht keiner keinen, aber jeder sich selbst.

Wenn jeder an sich denkt, dann ist an Alle gedacht, denk ich.
Wenn jeder an sich und seine Lieben denkt, dann ist an Alle gedacht, denk ich. Wenn jeder sich sieht, wird keiner übersehen, denk ich.
Wenn jeder sich und seine Lieben sieht, wird keiner übersehen, denk ich.
Und so schließ ich die Augen, und geh über die Straße und werd übersehen und werd fast überfahren, aber Du packst mich am arm, hältst mich zurück, und sagst, Du, ich hab Dir, ich hab Dir ein Bild gemalt.

 

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