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Der PP

Wir befinden uns in einem dunklen Zeitalter. Seitdem sich der Tempel der Technik vor die Sonne geschoben hat, werden die Schatten länger und gebären Phänomene, die sich den Schlupfwinkeln unserer Welt ausgezeichnet angepasst haben.

Eines davon wandelt unter uns Menschen und bedarf wegen seiner Schwammigkeit näheren Erläuterungen. Es handelt sich kurz gesagt um den PP, lang gesagt um den Parasitenpassagier.

Ein reines Exemplar zu finden, ist höchst selten, aber seine Merkmale sind unverkennbar weit verbreitet.

Der PP steht morgens auf und geht zur Arbeit. Die Art der Tätigkeit ist nicht so wichtig, wie das Gehalt, das mit Erfolg einhergeht.

Der PP muss einen bestimmten materiellen Status repräsentieren, der ihn für die Gesellschaft unentbehrlich macht- am besten ohne groß aufzufallen.

Zum Beispiel steht der PP in jeder Schlange ausnahmslos vorne, ohne sich jemals angestellt zu haben. Die Menschen bemerken ihn nicht. Das liegt an seinem unauffälligen Erscheinungsbild. Er kleidet sich nach der aktuellen Mode- nie zu extravagant, sondern mit einer Gängigkeit zu allgemein herrschenden Kleidungsschnitten und Kombinationen. Immer so, dass er im Moment einen neutralen bis angenehmen Eindruck bei seinem Gegenüber hinterlässt- aber nie einen bleibenden.

Diese nichtssagende Modernheit durchzieht seinen ganzen Lebensstil von Wohnung bis zur Partnerwahl.

Der PP zieht es vor, nicht zu lieben, höchstens aus Versehen im Kindesalter, da es ihn angreifbar macht und zu Dingen verführt, die er nicht fassen kann. Gelegenheit und der Grad der Attraktivität bestimmen seine Partnerwahl- Risiken ausgeschlossen.

Die Menschen, mit denen er sich freiwillig umgibt, seine Freunde, müssen mindestens eine Kategorie erfüllen, in der sie vollkommen überzeugen:

a) ein übertriebenes Gehalt,

b) Beliebtheit in der Öffentlichkeit

Oder c) Erfolg beim anderen Geschlecht.

Um auch auf diesem Marktplatz zu überzeugen, eignet der PP sich Bildung an, damit er zu allem etwas sagen kann. Nichts eigenes, sondern nur, was er gesehen, gelesen oder entfernt gehört hat. Diese Instrumentalisierung von höchstem Bildungsgut führt bei ihm zu einem Instantwissen, das er beliebig aufbrühen und den Leuten einflößen kann. Sein Smalltalk ist geölt und oft passender als erforderlich. Wenn es dann zu freien Diskussion kommt, wird er lieber still, streut noch vereinzelt Sprüche ein, um nicht völlig vergessen zu werden, und sucht schließlich das Weite, das Buffet oder die Toilette auf, deren Schweigen ihm mehr zusagen.

Oft nimmt der PP Kunst als Aushängeschild für Kontakte und Anerkennung. In diesem Zusammenhang fällt deutlich auf, dass der PP selbst keine Kunst kreieren kann, wenn überhaupt nur kopieren, meistens aber kauft er sie.

Der PP ist unfähig sich zu entscheiden und überlässt dies, sofern es möglich ist, anderen. Er nimmt, was kommt, betet an, was aufgeht, und geht mit einer Festigkeit durchs Leben, die anderen Menschen beneidenswert erscheint.

Aber ich- ich habe einen von ihnen gesehen, kenne ihn,

Wir standen am Meer,

Sonnenlicht glitzerte auf den Wogen,

Vom Horizont strich ein Schauer her

Auf mich zu und im Toben

Und Tosen der Wellen sah ich

Meine Seele offen liegen

Und im tiefen Abgrund meinen Geist

Brausend, finster und verschwiegen

Und atmete fasziniert und sehnsüchtig.


Aber wer lief neben mir im Sand umher und schaute gelangweilt auf seine Schuhe?

Der PP.

 

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