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Party AntikIch bin müde, kaputt, fertig, ausgelaugt. So ein Unitag kann manchmal ganz schön stressig sein. Jetzt sind es nur noch ein paar Schritte, bis ich zuhause bin. Ja, zuhause. Das Bett. Der Schlaf. Ich bin so kaputt, ich habe nicht einmal Hunger. Kommt selten vor, weil ich eigentlich immer Hunger habe. Aber heute, nein, heute nicht. Ich stehe vor meiner Haustür und suche nach dem Schlüssel, als ich eine Stimme hinter mir höre. „Tschuldigung, darf ich mal?“ Ich gehe einen Schritt zur Seite. Eine Frau in weißen Gewändern und einem Lorbeerkranz auf dem Kopf drückt sich an mir vorbei und macht sich an meinem Klingelknopf zu schaffen. „Willst du zu mir?“, frage ich sie. „Nee, zu Tanja!“. Ein summendes Geräusch ertönt, die Tür springt auf, und die Frau rennt die Treppe hoch. Ich renne nicht. Ich kann nicht rennen. Nicht nur, weil ich zu müde bin, sondern auch, weil Rennen noch nie meine Stärke war. Deshalb lass ich es auch jetzt bleiben. Als ich an meine Wohnungstür komme, fällt diese gerade wieder ins Schloss zurück. Ich öffne sie. Menschen in weißen und pastellfarbenen Gewändern lachen mich an und drehen sich im Kreis. „Was soll das denn?“, frage ich leise. Aber niemand hört mich. Dann steht Tanja vor mir. Sie gibt mir einen Kuss, nimmt mich an die Hand und führt mich in mein Zimmer. „Ich habe schon alles vorbereitet!“, sagt sie. „Wie - vorbereitet?“. Tanja reicht mir ein weißes Bettlaken und einen Lorbeerkranz. „Das ist für dich. Wir machen eine Antike-Party!“. So ist das also. Eine antike Party. Ich habe aber keine Lust auf eine antike Party. Ich will schlafen. Aber auf meinem Bett sitzen ein Dutzend Möchtegern-Griechen und füllen sich mit Whisky-Cola ab. Ich überlege noch, ob ich mich aufregen soll. Aber ich bin zu müde, um mich aufzuregen. Auf dem Weg ins Wohnzimmer stellt sich mir eine Frau in den Weg. „Hallo, ich bin Athene.“ „Hallo, ich nicht.“ „Hihi, du bist aber komisch. Willst du tanzen?“ „Nein, will ich nicht.“ Aber was ich sage, interessiert sie nicht wirklich. Sie greift meine Hand und zerrt mich ins Wohnzimmer, wo sich Leute tanzend an den Händen fassen und dabei den Kopf mal nach links und mal nach rechts kreisen. Athene erklärt mir, das seien die Tänze des universellen Friedens. Es interessiert mich aber nicht. Ich reiße mich von ihr los und gehe ins Badezimmer. Im Badezimmer ist niemand. Endlich alleine. Endlich Ruhe. Weil mir nichts besseres einfällt, lasse ich heißes Wasser in die Wanne laufen und drücke aus einer Plastikflasche etwas Kräuterbad dazu. Dann ziehe ich mich aus und werfe die Klamotten in die Ecke. Müde stehe ich vor der Wanne und starre auf das langsam steigende, dampfende Wasser und den Schaum, der sich darauf bildet. Irgendwann lege ich mich hinein und schließe die Augen. Um mich herum feiern die Leute, und ich liege hier und nehme ein Bad. Ein Bad in der Menge, sozusagen. Dann schlafe ich ein. Aber nicht lange. Ich werde wieder wach, als jemand die Klospülung betätigt und dann schnell aus der Tür verschwindet. Ein übler Geruch macht sich breit. Im Wohnzimmer fangen die Leute jetzt an zu singen. Es hört sich an wie „Mein Freund, der Baum, ist tot.“ Die Tänze des universellen Friedens scheinen wohl ihren vorläufigen Höhepunkt erreicht zu haben. Ein paar Frauen brüllen nach Bier. Dann schlafe ich wieder ein. „Ich prangere an!“, ruft plötzlich jemand. Ich reiße meine Augen auf. „Ich prangere an!“, ruft die Stimme wieder. Neben mir steht ein in Gewänder gekleideter Mann. Auf der Brust trägt er die Nummer 10, und auf dem Rücken steht Platon. Um mich herum sitzen Hunderte von Menschen auf Steintreppen und zeigen mit ihrem Finger auf mich. Meine Badewanne steht auf dem sandigen Boden einer antiken Arena. Ich will aufstehen, aber meine Arme sind mit Lederriemen am Badewannenrand festgezurrt. „Ich prangere an!“, ruft Platon wieder. „Ja, was um Himmels willen prangerst du an?“, brülle ich, „Ich will doch nur schlafen. Ich will meine Ruhe!“ Mit großen Augen schaut er mich an, und die Menge verstummt. Plötzlich berührt irgend etwas meine Beine. Ich bekomme einen Schreck und werde wach. Vor mir steht eine betrunkene Frau in der Wanne und fragt, ob sie zu mir ins Wasser darf. Was soll jetzt das schon wieder? Aber die Flasche Wodka in ihrer Hand überzeugt mich. „Ja klar. Setz dich.“ Sie macht sich erst gar nicht die Umstände, ihre Bettlaken auszuziehen und lässt sich in die Wanne plumpsen. Dann reicht sie mir die Wodkaflasche. Gute Idee. Warmer Wodka ist jetzt genau das Richtige. Ich schütte mir das Zeug rein. Irgendwas muss jetzt passieren. Das tut es dann auch. Die Frau meint, dass ihr schlecht wird und fängt an über den Badewannenrand zu reiern. Ich schaue ihr dabei zu und trinke weiter. Hoffentlich kotzt sie nicht ins Wasser. Plötzlich geht die Tür auf, und ein paar Leute stürmen ins Bad. „Überraschung!“, rufen sie und kippen Bierflaschen über uns aus. Die Frau muss wieder kotzen. Diesmal aber ins Wasser. Es interessiert mich nicht. Ich bin ja zu müde, um mich aufzuregen. Außerdem glaube ich, dass alles nur ein Traum ist. Und wenn ich die Augen für kurze Zeit schließe und sie wieder öffne, sind alle Leute weg. Aber als ich die Augen wieder öffne, sind alle noch da. Und nicht nur das, sie fangen wieder an „Mein Freund, der Baum, ist tot“ zu singen und das Ganze auch noch mit hysterischer Geigenimitation gesanglich zu unterlegen. Ich habe genug. Unbeachtet von der tanzenden Menge steige ich aus der Wanne und trockne mich ab. Dann ziehe ich mir einen Bademantel über und verlasse die Wohnung, um mich beim nächsten Dönerladen am Rudolphsplatz an die Theke zu setzen und auf einem kleinen Fernseher türkische Hitparade zu gucken. |
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